14. April 2025, 19:00 Uhr | Wissenschaftskolleg zu Berlin, Wallotstr. 19, 14193 Berlin
Von Wien aus, porta orientis, gelangen sie in den Orient und auf verschlungenen Wegen wieder zurück nach Wien, vom Sanatorium Beelitz auf die Schlachtfelder des Ersten und Zweiten Weltkriegs und wieder in die Gegenwart der Ruinen: Die Erzähler von Mathias Énard sind Reisende und Spezialisten für Übergänge.
Wo immer sie anfangen zu erzählen, passieren sie Grenzen, als Passanten mit einem reichen Wortschatz sprechen sie von limites, frontières, lignes oder confins. Sie überschreiten nicht nur topografische Grenzen, sondern auch die zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Menschen und Tieren, Leben und Tod. Als Bahnreisende, Ethnografen, Zimmerreisende, Leser, Hörer oder als Liebende bereisen sie Landschaften und Städte, die von Unruhe erfasst sind. Hinwege verschlingen sich mit Rückwegen. Wo sich Grenzen schließen, kreuzen sich Geschichten und fließen unterirdische Flüsse, die scheinbar Entferntes miteinander verbinden. Für Énard sind Grenzen fruchtbar, indem sie immer wieder neue Erzählungen hervorbringen, aber auch furchtbar: Übergänge, an denen sich Gewalt entzündet.
MATHIAS ÉNARD
Mathias Énard, Fellow des Wissenschaftskollegs 2024/2025, schreibt seit Anfang der 2000er Jahre Romane, darunter Zone (dt. Zone, 2008), Boussole (dt. Kompass, 2015) und Déserter (dt. Tanz des Verrats, 2023). Er wurde unter anderem mit dem Prix Goncourt und dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung ausgezeichnet. Seine Bücher wurden in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt.
JULIANE VOGEL
Juliane Vogel, Permanent Fellow des Wissenschaftskollegs, ist Professorin für Neuere Deutsche Literatur und Allgemeine Literaturwissenschaft an der Universität Konstanz. 2020 wurde ihr der Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis zuerkannt. Sie ist Sprecherin des Forschungsprojekts „Traveling Forms“, das Wanderungen ästhetischer und sozialer Formen in der Vergangenheit wie in der Gegenwart untersucht, und Leiterin der Forschungsstelle „Formtheorie und historische Poetik“, ebenfalls an der Universität Konstanz.
MICHAEL SEEWALD
Michael Seewald, Permanent Fellow des Wissenschaftskollegs, ist Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Universität Münster und Sprecher des dortigen Exzellenzclusters „Religion und Politik“. In seinen Forschungen beschäftigt er sich mit der Wandelbarkeit religiöser Lehrgebäude. Seine Bücher wurden in elf Sprachen übersetzt. 2025 wurde er mit dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis ausgezeichnet.
Mathias Énard wird seine Texte auf Französisch lesen. Wir stellen Ihnen eine deutsche Übersetzung zur Verfügung.
Einführung: Barbara Stollberg-Rilinger, Rektorin des Wissenschaftskollegs zu Berlin
Wir bitten um Ihre Zusage telefonisch unter 030 / 89001-0 oder per E-Mail an rsvp@wiko-berlin.de
Jede Anmeldung wird registriert und bedarf keiner Bestätigung unsererseits. Wir informieren Sie, falls unsere Platzkapazitäten erschöpft sein sollten.
Auf der Veranstaltung werden Film- und Tonaufnahmen gemacht. Durch Ihren Besuch erklären Sie sich damit einverstanden, dass diese für Zwecke der Öffentlichkeitsarbeit verwendet werden.